60+: Gutgelaunt williger für Beratung
Familie und Freundeskreis keine Top-Adressen für gute Entscheidungen
Nicht Sorgenfalten, Kummer oder Angstschweiß sind es, die bei älteren Menschen das Bedürfnis nach Beratung und guten Entscheidungen triggern. Im Gegenteil: Es ist die gute Laune, die die Generation 60+ motiviert, auf einsame Entscheidungen zu verzichten. Oder anders gesagt: Je deprimierter wir im fortgeschrittenen Alter sind, desto weniger suchen und akzeptieren wir Rat von anderen.
Das sind die recht überraschenden Ergebnisse einer aktuellen Studie aus Sydney/Australien, die der Frage, inwieweit Entscheidungen von verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich getroffen werden, nachgegangen ist. Fazit: weniger als man hätte erwarten können, zB.: Alle Altersgruppen, und eben nicht nur Jüngere, vertrauen BeraterInnen von Familie oder dem Freundeskreis. Denn um zu zufriedenstellenden nachhaltigen Entscheidungen zu kommen, scheint Expertise von RatgeberInnen am Ende des Tages auch für Menschen vor oder nach der Pension wichtiger zu sein als soziale Beziehungen.
Leon/Weidemann/Kneebone/Bailey, “Age, Affect and Social Closeness: An Experience Sampling Study of Advice-Taking Across the Adult LIfespan” in: Emotion”, 2026, vo. 26, No. 1, 195 – 205.
Aus der Praxis:
Wie interessant! Obwohl also gerade ältere Menschen auf jahrzehntelange vertrauensvolle Beziehungen zurückgreifen können, wenden auch sie sich im Zweifel an ExpertInnen, wenn sie vor substantiellen Entscheidungen stehen. Wie schön!
Meiner Meinung nach können wir das wie folgt interpretieren: 1. Auch im fortgeschrittenen Alter haben rationale Argumente Bedeutung = “nur” das geliebte Enkerl zu sein, überzeugt sichtlich nicht ausreichend, um automatisch als Omas und Opas RatgeberIn zu fungieren. 2. Es zahlt sich aus, die Generation 60+ in gute Stimmung zu bringen, wenn sie vor wichtigen Entscheidungen stehen – jedenfalls ist es eine viel bessere Strategie, als ihnen den Teufel an die Wand zu malen, damit sie sich endlich beraten lassen. 3. Wir als BeraterInnen und Coaches können auch jenseits der Baby Boomers und Millennials noch KlientInnen gewinnen.