Ohne Kommunikation verpufft sogar Fairness
Wer bei der Arbeit x erwartet und y erlebt, ist verunsichert und demotiviert
Für alle Führungskräfte gilt: Sorgen Sie dafür, dass Erwartungen von MitarbeiterInnen nicht mit lautem Knall zerplatzen. Denn das kommt jede Organisation irgendwann teuer zu stehen. Eine neue US-amerikanische Studie konnte das soeben zum Thema “Gerechtigkeit am Arbeitsplatz” sehr plakativ darstellen. Da heißt es: Erwartet sich die Belegschaft ein bestimmtes Maß an Fairness, das sich allerdings im beruflichen Alltag nicht widerspiegelt, dann erzeugt diese Diskrepanz Unsicherheit, die wiederum zu Ärger und damit zu weniger Engagement führt. Überraschend: die Diskrepanz irritiert auch im umgekehrten Fall. Selbst wenn ein/e MitarbeiterIn sich nur wenig Fairness erwartet, der/die Vorgesetzte aber plötzlich gut gemeint auffallend gerecht agiert, entstehen Verunsicherung und negative Gefühle – man glaubt die neue heile Welt einfach nicht. Berechenbarkeit heißt das Zauberwort und das entsteht durch Kongruenz zwischen Erwartungen und erlebte Erfahrungen.
Die ForscherInnen empfehlen daher Gerechtigkeitsnormen proaktiv zu kommunizieren, Abweichungen zu monitoren und Feedbackgespräche darüber zu führen.
Cole/Dimotakis/Bernerth, “Expected and Experienced Daily Justice, Emotions and Counterproductive Work Behavior”, in: Journal of Applied Psychology, 2026, vol. 111, no. 5, 565-585.
Aus der Praxis:
Diese Studie bestätigt, was ich seit Jahrzehnten beobachte:
1. Einfach nur tun, reicht nicht. Sie müssen als Führungskräfte Ihr Tun auch beschreiben, erklären und in einen Bezug zum geschäftlichen Erfolg setzen. MitarbeiterInnen haben Besseres zu tun, als die Handlungen ihrer Vorgesetzen ständig zu beobachten und nach eigenem Gutdünken zu interpretieren.
2. Es sollte daher sowieso Ihr Ziel sein, kulturelle Standards für alle zu schaffen. An diesen können und sollen sich MitarbeiterInnen orientieren und damit auch ihre eigenen, individuellen Erwartungen zu “Gerechtigkeit im Job” adaptieren.
3. Wer als Vorgesetzte/r allerdings solche Normen angibt (man denke an die unzähligen Einträge zu “Unsere Philosophie”, “Unser Credo” uä) und sich dann nicht daran hält bzw. Verstösse dagegen reaktionslos zur Kenntnis nimmt, muss in Kauf nehmen, dass die Belegschaft derartige Mission Statements innerhalb kürzester Zeit nicht ernst nimmt.